Uni-Alltag: Das Bilderbuchkleid

Kleid

Kurz vor Semesterende stand noch eine wichtige Abgabe für das Fach Schnittgestaltung an. Wir mussten Entwürfe für Kleider abgeben, von denen wir eines realisieren sollten. Ein Traum ging in Erfüllung – in meinem Kopf tänzelten überlange, schwere Roben den Uniflur entlang. Das gesamte Projekt dauerte ca. sechs Wochen. Am Ende hatte ich jedoch aufgrund der ganzen anderen Kurse nur vier Tage Zeit, um den kompletten Schnitt für mein Kleid zu konstruieren …

Nachdem wir die Aufgabe bekommen hatten, machte ich mich ans Werk und zeichnete den ersten Entwurf (nicht auf dem Bild). Diesen fand mein Dozent von der Schnitttechnik zu einfach, sodass ich ihn verwarf.

Kleid

Ich musste mir klar darüber werden, in welche Richtung mein Kleid gehen sollte und schaute mir zur Inspiration die Arbeiten meiner Lieblingslabel und -designer an. Dazu gehören die großen Modehäuser Givenchy, Alexander McQueen, Chanel, Jean-Paul Gaultier und besonders DIOR! Ich skizzierte einige Entwürfe, die ich meinem Dozenten vorlegte. Wir beide entschieden uns für das mittlere Kleid aus der unteren Reihe.

Kleid

Im nächsten Schritt suchte sich jeder Student eine Schneiderpuppe aus, von der Maß genommen wurde. Anschließend ging es darum, das Kleid in 1:4 auf Papier zu konstruieren und an dem kleinen Modell zu arbeiten. Den Grundschnitt habe ich leider nicht fotografiert, dieser ähnelt aber dem vom oberen Bild.

Kleid

Sobald unser Dozent die Papiermodelle abgesegnet hatte, durften wir mit den Originalmaßen den Grundschnitt für unser Kleid konstruieren. Diesen nähten wir mit Probestoff (Nessel) nach, legten ihn unsereren Schneiderpuppen an und veränderten ggf. noch einmal den Grundschnitt. Mein Design liegt komplett eng an, wie bei einem Etuikleid.

Bis zu diesem Schritt arbeiteten alle Studenten quasi am gleichen Kleid. Danach fing die eigentliche Arbeit an: Zuhause und in der Uni konstruierte jeder seinen eigenen Schnitt, mit dem Grundschnitt als Vorlage.

Kleid

In unendlich vielen Schritten zeichnete ich auf Schnittpapier, dann auf Nesselstoff, nähte Probestücke, legte sie meiner Puppe an, veränderte, zeichnete wieder einen neuen Schnitt auf Papier und nähte wieder Probestücke. Am Ende habe ich mein Kleid insgesamt viermal Probe genäht!

Meine Kommilitonen und ich verbrachten lange Abende in den offenen Werkstätten. Eine Nacht vor der Abgabe sah mein Kleid so aus:

Kleid

Rock und Oberteil waren mit einer Teilungsnaht getrennt. Der Ausschnitt und die Ärmel saßen nicht richtig. Viel zu gewöhnlich, hat man schon tausendmal gesehen. Ich war wirklich sehr unzufrieden. Also schob ich eine Nachtschicht und konstruierte und nähte an dem Probestück. Bis zum frühen Morgen ratterte meine Haushaltsnähmaschine …

Kleid

Ich verlängerte den Rock, verschob die Nähte, verband Ober- und Unterteil und setzte auf mehr Stoff an den Seiten. Außerdem nähte ich absolut sauber und mit extra Belegen. Kurz vor der Abgabe war ich glücklich mit dem Ergebnis und ging etwas übermüdet, aber zufrieden zur Uni.

Dort angekommen, konnte ich mein Kleid an der Bügelanlage glätten und präsentationsreif an der Puppe drapieren.

Kleid

Anschließend wurde jede Arbeit vom Dozenten auseinander genommen. Manche Kritiken waren hart, manche erträglicher. Ich kam zum Glück gut weg. Dem Dozenten gefiel mein Entwurf, er meinte dass die Arbeit der Inbegriff eines „Kleides“ sei. Einige Freunde erinnerte das Design an DIOR. Auch Grace Kelly oder Audrey Hepburn würde es sicherlich fantastisch stehen. Die harte Arbeit hat sich gelohnt – meine Semesterferien startete ich mit einer 1,0 in der Tasche!

  1. Christin

    Wie schön Thuy! Glückwunsch :)

  2. Miss Sophie

    OHA!! das sieht richtig richtig gut aus. da hat sie die letzte nachtschicht wohl doppelt gelohnt, wenn man dann auch noch mit einer 1,0 belohnt wird! Herzlichen Glückwunsch!

  3. Kora

    ich bin richtig beeindruckt!

  4. Julia

    Wahnsinn, ich wünschte das könnte ich auch!
    Bleibt es bei dem Musterstück oder machst du es nochmal aus einem anderen Stoff?

  5. Paula

    oh ja das sieht richtig gut aus. die 1,0 hast du dir auf alle fälle verdient. aber jetzt leg dich lieber nochmal aufs ohr, nach den ganzen nachtschichten hast du bestimmt einiges an schlaf nachzuholen!

  6. tantarella

    herzlichen glückwunsch fürs sehr gut, bella!

  7. jette

    das mittlere kleid aus der oberen skizzenreihe sieht aber auch sehr vielversprechend aus…

  8. Lila

    ich hätte dir auch eine 1,0 gegeben :D

  9. Maxi

    Wunderschön! Ich dachte auch gleich an die 50er Jahre.

Kommentar schreiben

(wird veröffentlicht)
(optional)
Fehler: Bitte fülle alle erforderlichen Felder aus.
(wird veröffentlicht)

Hinweis

Wir freuen uns über Kommentare auf Two for Fashion. Alle Kommentare werden vor Veröffentlichung geprüft. Wir behalten uns das Recht vor, Beitrage ohne Begründung abzulehnen. Dies gilt insbesondere für solche Beiträge, die rechtswidrige Inhalte, Werbung für Dritte oder Spam sowie Beleidigungen enthalten oder in anderer Form unsachgemäß sind.

facebook Kommentare