Zu Besuch in einer indischen Textilfabrik

Textilfabrik-Indien

Hallo, liebe Two-for-Fashion-Leser, ich heiße Isabel und bin Auszubildende zur Groß- und Außenhandelskauffrau bei OTTO. Heute berichte ich Euch von meiner Reise nach Indien. Für diese Jugendbegegnung zum Thema „Handel im Wandel – Nachhaltigkeit“ bewarb ich mich bereits im  Sommer 2011. In Koorperation mit den Bürgern Europas e. V. reiste ich dann im November mit drei anderen Auszubildenden, vier Dual-Studenten und zwei Referentinnen von OTTO sowie zehn weiteren Studenten aus ganz Deutschland und der Reiseverantwortlichen nach Mumbai/Pune.

An den sieben sehr ereignisreichen und eindrucksvollen Tagen besuchten wir von morgens bis abends Politiker, Stiftungen und Unternehmen, u. a. Otto International India und eine Textilfabrik, mit der das Unternehmen zusammenarbeitet. Otto International India ist das Verbindungsstück zwischen den Unternehmen der Otto Group wie beispielsweise OTTO, Heine und bonprix und deren jeweiligen Lieferanten. Wie sieht eine Textilfabrik, in der unsere alltägliche Kleidung hergestellt wird, tatsächlich aus? Sind die Zustände (Einrichtung, Arbeitsbedingungen etc.) wirklich so schlecht, wie in den Medien oft dargestellt? Und wie sehen die einzelnen Produktionsschritte aus? Wir waren sehr gespannt, was uns hinter den Kulissen erwarten würde.

Textilfabrik-Indien

Mit einem alten, klapprigen Bus wurde unsere Truppe gleich am ersten Tag zu besagter Textilfabrik chauffiert. Ein Social Officer, der im Auftrag dieses Unternehmens die Umsetzung des Sozialprogramms in den Fabriken sicherstellt und regelmäßig z. B. auf faire Arbeitsbedingungen überprüft, aber auch Hilfestellung bei der Umsetzung anbietet, begleitete uns bei der Besichtigung der Produktionsstätte. Empfangen wurden wir vom Geschäftsführer selbst. Nach einer kurzen Begrüßungsrunde wurden wir in die allgemeinen Arbeitsbedingungen eingewiesen: Man versicherte uns, dass die 240 Angestellten (davon 182 Frauen, 58 Männer und zwei Behinderte) an sechs Tagen in der Woche in Schichten acht Stunden plus 30 Minuten Pause arbeiten (ohne Nachtschichten). Es sei weiterhin gewährleistet, dass keine Mehrarbeit geleistet wird und die Arbeitnehmer einen Tag in der Woche freihaben. Übrigens: Das gute BSCI-Audit bestätigt diese Aussagen.

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Zunächst betraten wir einen Raum, in dem die Wareneingangs- und Qualitätsprüfung der Stoffe erfolgt. Anhand des Lieferscheins erklärte ein Angestellter, worauf zu achten sei, während ein anderer im Hintergrund gerade dabei war, ein Stück Stoff unter die Lupe zu nehmen.

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Als Nächstes wurde uns der Arbeitsbereich der Näherinnen und Näher gezeigt. Wir traten in den doch recht kleinen Raum und sahen die in wunderschöne, bunte Saris gekleideten Frauen in parallelen Reihen eifrig nähen. Auch einige Männer befanden sich darunter. Alle trugen Handschuhe und einen Mundschutz. In jeder der besagten Reihen fand ein anderer Schritt statt. Von der ersten Verarbeitung des Stoffs bis zum Legen des finalen Saums wurde uns Schritt für Schritt der ganze Produktionsprozess erklärt.

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In einem anderen Raum lagen Stoffmassen auf den Arbeitstischen ausgebreitet und wurden mit messerscharfen Geräten zugeschnitten. Überall um uns herum stapelten sich Kartons mit Etiketten, die das Lieferziel „Haldensleben“ (unser Zentrallager) via Hamburg anzeigten.

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Abschließend versammelten wir uns im Eingangsbereich. Auf einem liebevoll gedeckten Tisch fanden wir jede Menge gut gewürzte, selbstgemachte scharfe und zum Großteil vegetarische Soßen zum Dippen und Naan-Brot. Zusätzlich gab es Hülsenfrüchte, Reis und übertrieben süßen Nachtisch. Während der leckeren, traditionellen Mahlzeit diskutierten wir noch lange über die vielen Eindrücke aus unserem Besuch.

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Mein Fazit: Ich habe mir eine solche Fabrik größer vorgestellt. Zu ihr gehören zwar noch zwei weitere Produktionsstätten, aber für mich war es schwer zu glauben, dass hier wirklich große Bestellungen angenommen und komplett hergestellt werden können. Uns fielen die Schilder „No child labour“, die nicht zu übersehen an den Wänden hingen, auf und positiv beeindruckten uns die sauberen und klar strukturierten Arbeitsplätze, die für alle Mitarbeiter zur Verfügung stehende Schutzausrüstung und die sichtbar freigeräumten Fluchtwege. Dass die Angestellten dort sechs Tage arbeiten, finde ich persönlich schon viel, doch man muss bei der Beurteilung der Arbeitsbedingungen auch die Standards des jeweiligen Landes berücksichtigen. Und es scheint hier üblich zu sein, nur einen Tag in der Woche freizuhaben.

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Die Medien behalten also nicht immer Recht. Vorbildliche Beispiele, die leider noch lange keine Regel sind, gibt es definitiv. Ich war sehr positiv überrascht und kann die in Indien produzierte Mode der Otto Group mit ruhigem Gewissen tragen.

Wenn Ihr mehr über unsere Reise wissen wollt, schaut Euch den Beitrag auf unserem OTTO-Azubiblog an. Mehr zum Thema Sozialstandards bei der Textilproduktion erfahrt Ihr in einem Fernsehbeitrag von 3sat in Kooperation mit der Otto Group.

  1. Leonie

    ich finde es gut, dass solche Themen regelmäßig in den Vordergrund gerückt werden. Und vorallem das OTTO ja anscheinend ein gutes Beispiel abgibt. Weiter so! :)

  2. Mode Fan

    Toller Beitrag! Kann mich meiner Vorrednerin nur anschließen :)

  3. Freakadelle

    Schön, dass Otto seine Azubis auf die Reise schickt, so eine Gelegenheit bekommt nicht jeder. Schöner Beitrag.

  4. chmurka

    interessante einblicke !

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