Paris Fashion Week: Jagd um die Einladungen

„Ich habe dieses Jahr zum ersten Mal keine Einladung bekommen“, hörte ich heute deutsche Redakteurinnen zum dritten Mal klagen. Ist die deutsch-französische Freundschaft wirklich so angeschlagen? Und das, wo doch erst im Januar ihr 50. Geburtstag gefeiert wurde. Lanvin, Sonia Rykiel und Carven waren jedenfalls nie elitärer, was ihre Schauen angeht, als in dieser Saison. Ich interpretiere das mal als Gegenbewegung zum „Fashion Circus“ und als Reaktion darauf, dass auch H&M neuerdings eine Schau macht und dazu alle Redakteure und Blogger nach Paris einlädt. Designer wie Sonia und Albers wollen einfach, dass ihre Mode Ernst genommen wird und im Mittelpunkt steht, nehme ich an. Um so mehr habe ich mich darüber gefreut, dass Ann Demeulmeester mich eingeladen hat. Noch dazu zu einer Schau, die mich von der Bank gerissen hat. Ich wünschte mir dabei sehnlichst, nicht fotografieren zu müssen, sondern nur den Looks mit offenem Mund hinterher staunen zu können. Und, dass die Schau nie, nie aufhört. Ich muss immer noch darüber lachen, wie mein Freund die Karte aus der Post zog und sagte: „Du hast einen Brief von einer Freundin, die Ann heisst …“.

AnnDemeulmeester

Auch „meine Freundin Ann“ folgt der Strategie der Saison, nämlich die gesamte Kollektion in Schwarz und Weiss zu halten. So war das heute morgen bei der ersten Kollektion von Alexander Wang für Balenciaga, an der mir die Rückenausschnitte und die Riss-Optik der Pullover, von denen die Farbe abzublättern schien, am besten gefielen. Die Einkäufer freuten sich über die Tragbarkeit der Kollektion. Während die Kritiker nicht vor Begeisterung vom Hocker fielen, wie neulich bei dem Debut von Raf Simons für Dior. Aber alle waren sich einig, dass Wang die „großen Schuhe“, die Nicolas Ghesquière hinterlassen hat, gut passen. Die Schau war im jeden Fall das schwerste Ticket dieser Saison, weil alle neugierig waren, ob Balenciaga auch einen so guten Fang gemacht hat wie Dior. Die Einlaundskarte habe ich leider nicht gesehen, da die Location streng geheim gehalten wurde. Und sogar falsche Gerüchte über den Veranstaltungsort verbreitet wurden.

Steffie Christiaens

Christiaens

Spiegelschrift

Den Einladungen kann man immer mehr entnehmen als den Zeitpunkt und den Ort der Schauen – in ihnen ist das Thema der Kollektion grafisch verarbeitet. So mochte ich wirklich bisher die Schauen am liebsten, deren Einladungen mir am besten gefielen. Das weiße Stofftaschentuch von Ann Demeulmeester habe ich mir sogar an die Wand gehängt, die Spiegelkarte von Steffi Christiaens wandert in meine grafische Sammlung. Und wenn ich die Faben auf der Karte von Christian Winants betrachte, dann begehre ich das wunderbare Strickkleid noch mehr, an das hier mikroskopisch herangezoomt wurde.

DamirDoma

GroundZero

GroundZero

GuyLaroche

Murad

Vandevorst

wijnants

Kommentar schreiben

(wird veröffentlicht)
(optional)
Fehler: Bitte fülle alle erforderlichen Felder aus.
(wird veröffentlicht)

Hinweis

Wir freuen uns über Kommentare auf Two for Fashion. Alle Kommentare werden vor Veröffentlichung geprüft. Wir behalten uns das Recht vor, Beitrage ohne Begründung abzulehnen. Dies gilt insbesondere für solche Beiträge, die rechtswidrige Inhalte, Werbung für Dritte oder Spam sowie Beleidigungen enthalten oder in anderer Form unsachgemäß sind.

facebook Kommentare