
Morgen geht die 25. Londoner Modewoche zu ende. Gewohnt Skurriles gab es zu sehen, sowohl auf den Straßen vor den Shows als auch auf den Laufstegen. Wie gewohnt trieb ich mich vermehrt auf den Nebenevents herum, weil diese mir üblicherweise die interessanteren Einblicke in kreative Köpfe von Designern geben, die oftmals noch unbeeindruckt sind von wirtschaftlichen Einschränkungen. Gefördert werden diese Events von mehr oder minder finanzstarken Investoren (siehe Vauxhall Fashionscout). Dennoch hinterließ auch bei der London Fashionweek die Wirtschaftskrise ihre Spuren. Sie inspirierte zu kreativen Ansätzen in den Kollektionen und führte zur Rationalisierung der Goodybags (der Geschenktaschen, die die Schauenbesucher der ersten und zweiten Reihe erwarten). Dennoch verzichteten die wenigsten der Designhäuser auf eine Show, wie in New York geschenen. Die großen Londoner Designer wie Vivienne Westwood, Giles Deacon, Christopher Kane und Marios Schwab waren vertreten. Wie es mit der Mode weitergehen wird, bleibt abzuwarten. Nun erst einmal meine schönsten Entdeckungen und Erlebnisse seit Sonntag …
Backstage
Obwohl ich bisher auf einigen Modenschauen war und auch ab und an die Gelegenheit hatte, nach der Show kurz backstage die Designer zu treffen und die Kollektionen ein wenig genauer unter die Lupe zu nehmen, war ich bisher nie für die gesamte Dauer einer Show backstage. Das ist gerstern bei OnOff presents zum ersten Mal geschehen. Dort stellte die junge Londoner Modeveranstaltung vier vielversprechende Talente vor.
Am beeindruckendsten waren die Entwürfe der britischen Designerin Rachel Freire. Wie Feen und Zauberinnen aus einer anderen Welt sahen die Models in ihren phantasievollen Kostümierungen aus. Fragen der Alltagstauglichkeit stellte sich die ausgebildete Kostümdesignerin gar nicht erst. Bereits vor der Show konnte ich während der Anprobe die ersten Bilder machen:


Auf dem Laufsteg sah das dann so aus:
Photos by Catwalking.com
Ähnlich phantasievoll ging es bei Cecilia Mary Robson zu. Es sah aus, als hätte sie Kleidung für Superheldinnen entworfen. Einmal mehr konnte man sehen, dass Fashionweeks kaum das zeigen, was später auf der Straße getragen wird. Es geht um Kreativität und Inspiration. Was jeder für sich selbst herauspickt und welche Einzelteile man in seine Garderobe integriert, bleibt jedem selbst überlassen.

Und auf dem Laufsteg:
Photos by Catwalking.com
Bibo
Marios Schwab gehört zu meinen Lieblingsdesignern, der Wahl-Londoner – sein Vater ist Österreicher, die Mutter Griechin – schafft es immer wieder, mich aufs Höchste zu entzücken. Für den kommenden Winter stellt er aufgeschlitzte Minikleider, die allesamt ein wenig an die Arbeiten des Künstlers Lucio Fontana erinnern, vor. Den Abschluss bildeten zwei überdimensionierte Federmäntel, die mir sofort das Bild des gelben Vogels aus der Sesamstraße – Bibo – vor Augen führten.
© 2009 Christopher Moore Limited
Schöne Buben …
… bei q.e.d. und Rozalb de Mura. Herrenmode kommt in London ein wenig kurz, leider. Allerdings gibt es da auch im Grunde nie so viel außergewöhnlich Neues zu sehen. Die Grundelemente der Herrenbekleidung bleiben gleich: Hose, Hemd und Jacke. Zu sehen gibt es davon immer mehr oder minder ansprechende Variationen. Beeindruckt bin ich immer wieder von den Vorstellungen des Berliner Designerinnentrios hinter q.e.d. Dunkel geht es zu, bequem, weit, fließend in Kombination mit schweren Lederstiefeln. In den Klamotten stecken zarte Buben, die man gerne mal zu Keksen und Milch einladen möchte. Schöner Kontrast.
Photos by Catwalking.com
Rozalb de Mura erweist sich dieses Mal als durchaus straßentauglich (im September waren nicht alle der TWOFORFASHION-Leser begeistert), sofern mann das Kopfgehänge zu Hause lässt …
Photos by Catwalking.com
Und sonst …
… bietet die offizielle Website der London Fashionweek Diashows zu allen Präsentationen. Ich wünsche frohes Stöbern!
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toll der backstage/laufsteg vergleich! so einen blick hinter die kulissen bekommt man ja selten.
Ja, Kekse könnten die blasen Herren in der Tat einige vertragen. Und Obst!
hey mahret, wahnsinn: du bist ja nur in der Weltgeschichte unterwegs. ich bin beeindruckt von deinem job. wie auch übrigens von der mode, die in london präsentiert wurde. krass, wie die models von bibo aussehen – vielleicht hätte ich mir die frankenstein-blassen gesichter besser morgen früh angeschaut… obwohl ich die mode wirklich toll finde, muss ich sagen, die show entspricht gar nicht meinem geschmack
Oh man, ganz schön abgefahren und unterernährt kann ich dazu nur sagen …
Marios SChwab macht wirklich tolle Sachen!
Sehr figurbetont und sexy. Die Bibo-Jacken machen dagegen etwas voluminös…
Ich finde die schönen Buben ehrlich gesagt nicht ganz so schön, vor allem das kopfgehänge. ich gehöre wohl zu den TWOFORFASHION-Lesern, die im September nicht ganz so begeistert waren.
Die geschlitzten Kleider sind toll und Riesensicherheitsnadeln kommen auch wieder, fantastisch!
@Petra + Hossi
Und ja, jeder findet eben für sich einen Weg, seine Klamotte am besten zur Geltung zu bringen. Das gelingt einmal besser, mal schlechter. Aber Du, da habe ich schon ganz anderes gesehen!
Naja, nicht zu vergessen ist, dass das Kopfgehänge das Schowstyling ist. Ich denke nicht, dass sich der Designer wünscht, dass die Herren das so auf der Straße tragen!
ja so ist das mit den Models eben. Die meisten sehen eben ein wenig kränklich aus. Eine Tatsache, die ja an anderer Stelle immer und immer wieder (zu Recht!) diskutiert wird. Warum sich daran nichts änder, und dass obwohl sich fast jeder daran stört ist mir ein Rätsel. Wobei ich schon sagen muss, dass die Models – egal ob Männlein oder Weiblein – im Großen und Ganzen in London nocht recht gesund aussehen. Dünn sind sie eben – klar – aber wenig verhungert. Anders als beispielsweise in Paris!
@Shawnie
Der Desinger heißt Marios Schwab. “Bibo” hab ich nur die Überschrift genannt, weil mich die Federmäntel so an den Vogel aus der Sesamstraße erinnert haben
@Flori
HeHe, das kann schon sein
Auf was für Ideen man kommt! Ist das wirklich Mode?