
© Sølve Sundsbø für V Magazine
„Nichts schmeckt so gut, wie sich Dünn-Sein anfühlt“, so beantwortete Kate Moss einst in einem Interview mit „WWD“ die Frage nach ihrem Lebensmotto und sorgte damit, auf dem Höhepunkt der Magermodel-Debatte, für einen handfesten Skandal. Seither sind rund zwei Jahre vergangen und das einst so strenge, von der Modewelt akzeptierte Schönheitsideal hat sich langsam aber sicher gewandelt, zum Glück. Superstars wie Sophie Dahl und Crystal Renn, die heute leider beide wieder dürr sind, haben den Weg für eine neue Generation von Plus-Size-Models bereitet, die derzeit ebenso gute Jobs verbuchen können wie ihre Kolleginnen aus der Size-Zero-Riege.
Einer der größten Stars der XL-Model-Szene ist Candice Huffine (Kleidergröße 42-44), die bei der renommierten Agentur Ford unter Vertrag steht. Von hochdotierten Editorials bis hin zum Cover der „Vogue Italia“ hat die bildhübsche Brünette bereits alles erreicht, was es im Business zu erreichen gibt. Designer und Fotografen sind von ihrer Natürlichkeit begeistert. Der norwegische Modefotograf Sølve Sundsbø, der Candice und vier Kolleginnen für die „Size Issue“ des  „V Magazine“ ablichtete, jubelte: „Ich liebe diese Gelegenheit, allen zu zeigen, dass man schön und sexy sein kann – und das außerhalb der engstirnigen Interpretation davon.“ Na dann, Kurven voraus!
Mein Interview mit Candice Huffine gibt hier …

© Steven Meisel für W Magazine
Viele XL-Models hassen den Ausdruck „plus-size“, warum?
Ich hasse den Ausdruck nicht, aber ich halte ihn für absolut veraltet, wenn man bedenkt, wie weit kurvige Models es in unserem Business geschafft haben. Heute bekommen Mädels wie wir die gleichen high-profile Jobs wie die dünnen Mädchen, auch ohne dass jedes Mal „plus-size“ im Titel steht.
Wie kommen Deine Kurven bei den Männern an?
Ich habe gerade geheiratet, daher weiß ich ganz sicher, dass diese Kurven bei einem Mann sehr gut ankommen. Abgesehen von meinem Mann, habe ich auch von den vielen männlichen Fans immer nur Lob für mein Aussehen bekommen. Meine kurvigen Kolleginnen sagen übrigens das Gleiche. Wenn eine von uns eine neue Kampagne hat, ist auf Facebook die Hölle los! (lacht)
Hast Du eine persönliche Stilikone?
Menschen inspirieren mich generell. Wenn ich eine Straße entlanglaufe, dann kann es gut sein, dass ich die Jacken-Hut-Kombo eines Mädchens toll finde und genauso den Pulli, den ein Typ trägt. Man muss einfach mit offenen Augen durch die Welt gehen.
Wie würdest Du Deinen eigenen Stil beschreiben?
Mein Stil ist sehr New York. Ich erledige viel zu Fuß, daher trage ich meistens flache Schuhe, obwohl ich eigentlich Heels liebe. Meistens bin ich in derben, schwarzen Lederstiefeln unterwegs, dazu trage ich Skinny-Jeans, ein Bandshirt und einen schlichten Blazer. Ich versuche, meinen Outfits immer eine Note Rock’n’Roll zu verleihen.
Hast Du Probleme, angesagte Mode in Deiner Größe zu finden?
Zum Glück nicht, heute gibt es ja so viele Möglichkeiten. Die großen Modeketten haben endlich begriffen, dass eine enorme Nachfrage nach größeren Größen besteht und entsprechend darauf reagiert. Wie Sarah Jessica Parker mal treffend gesagt hat: „Mode ist kein Luxus, Mode ist ein Grundrecht.“ Ich stimme dem absolut zu – wir sollten alle Zugriff auf die gleichen Dinge haben können, egal welche Kleidergröße wir tragen.
Wenn es nach Dir ginge, welcher Haute-Couture-Designer sollte Kleider in größeren Größen produzieren?
Es dauerte eine Weile, aber es gibt schon welche, die genau das tun. Wobei … wer hätte nicht gern einen Chanel-Statement-Blazer, der sitzt wie eine zweite Haut? (lacht) Das wäre mein Traum.
© Steven Meisel für Vogue Italia
Wie verhalten sich dürre Models Dir gegenüber?
Ich bekomme meist positives Feedback. Die dünnen Mädels unterstützen mich und gratulieren mir zu meinen Jobs. Hey, schließlich sitzen wir doch alle zusammen in diesem Boot!
Wie bist Du so selbstbewusst geworden?
Ich hatte schon immer eine positive Einstellung dem Leben generell und auch meinem Körper gegenüber. Klar könnte mein Bauch flacher sein, mich wirklich damit zu stressen, passte aber nie zu mir. Es gibt einfach zu viele Dinge, die wichtiger sind. Ich bin so ein glücklicher Mensch, ich will keine Sekunde an negative Gedanken verschwenden.
Welche Styles sollten kurvigere Frauen vermeiden?
Ich persönlich hasse alle Outfits im Empirestil, mit einer Naht, die unter dem Busen endet. Diese Teile sollen vom Bauch ablenken, stattdessen sieht der Busen darin aber riesig aus, ganz schlimm. Doch jeder hat seine persönlichen No-gos. Ich liebe zum Beispiel meine Beine und trage daher gern kurze Röcke oder Kleider. Um die Balance zu halten, bedecke ich den Oberkörper mehr. Wer seine Schokoseiten betont, fühlt sich gleich viel selbstbewusster.
Was können wir Frauen tun, um uns wohler in unseren Körpern zu fühlen?
Erst mal möchte ich sagen, dass Ihr alle wunderschön seid! Bitte verschwendet keine Zeit darauf, Euch um die Breite Eurer Hüften oder die Rollen an Eurem Bauch zu sorgen. Ich versichere Euch, dass diesen Dingen niemand außer Euch Beachtung schenkt! Stattdessen werdet Ihr vielleicht für Eure Herzlichkeit geliebt oder Euer tolles Lächeln … Tut einfach, was Euch glücklich macht, dann strahlt Ihr das auch nach außen hin aus.
Was ist Dein größter Karrieretraum?
Immer wenn ein Traum zu kühn und unerreichbar erscheint, wird er war. Ich hätte zum Beispiel nie erwartet, dass ich jemals die Jobs bekommen würde, die ich kürzlich bekommen habe. Ich war auf dem Cover der italienischen „Vogue“, Steven Meisel hat mich fotografiert, ich war im „W Magazine“ in der selben Fashion Story wie Linda Evangelista. Dieses Business öffnet sich mehr und mehr für kurvige Frauen, ich war auf Laufstegen, reise um die ganze Welt, inspiriere und werde inspiriert. Ich lebe meinen Traum. Mein einziger Wunsch ist, genug Glück zu haben, sodass dieser Traum noch lange anhält.
Vielen Dank für das Interview, Candice!
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Tolle Frau! Und die Fotos (besonders das Voguecover) sind sehr schön. Mehr davon!
auf dem Portrait sieht sie ganz schön dünn aus… was licht und schatten alles schaffen
Wirklich eine tolle Frau. Es sollte mehr von ihr geben. Ich finde es echt gut, dass sich in der Modebranche ein Wandel vollzieht!
das Voguecover find ich auch besonders schön, mir wär gar nicht aufgefallen, dass es sich um xl models handelt, es sieht einfach ganz normal aus
ist das denn wirklich so im kommen? ich hab vor jahren schon von plus-size-models gehört und immer wieder gibt es empörungen über die dürren models, aber trotzdem seh ich sie noch fast überall auf laufstegen und in magazinen. xl-models sind doch da immer noch eher die ausnahme oder nicht?
Das Vogue-Cover ist wirklich sehr schön, aber ich gebe Florence recht, auf dem W Magazine ist sie ziemlich dürr… komisch, oder?
Ein ganz toller Bericht!!!!
Und was kaum jemand weiß, auch Plus-Size Männer sind schwer im kommen!
Der Plus-Size Umsatz boomt, Otto hat dies schon früh erkannt und immer mehr Onlineshops -und Kataloge passen sich dem an.
Somit werden wir hoffentlich in Zukunft vermehrt Frauen wie Candice und Tara Lynn auf Covern und in Kampagnen sehen.
Love love love. Toller Bericht über eine tolle Frau. Dankeschön!
<3
Sie ist echt schön!
Sehr cooler Artikel! Wäre schön, wenn mehr Models den Mut dazu hätten…