© Julia Knüpfer und Vilsbol de Arce
Oft ist es ja so, dass ökologisch wertvolles Design nicht unbedingt das schönste ist – oder sagen wir besser: Das wird meist gedacht, denn die Realität zeigt, dass es auch andere Fälle gibt. Einige stellten wir bereits während unserer Green Glamor Blogparade im vergangenen Jahr vor, die in erster Linie darauf abzielte, zu beweisen, dass grün eben auch „sexy“ sein kann. Über all dem, was es gibt und was es geben könnte, steht aber noch immer die Frage: Warum nicht viel mehr oder gar immer und alle? Warum haben sich bis heute nachhaltige Produktionsweisen und -stoffe nicht durchgesetzt und was heißt das überhaupt „ökologisch wertvoll“?
Ein Versuch, diese Fragen zu beantworten, startete gestern in Form eines Workshops an der Berliner Modeschule Esmod. In Kooperation mit CREATE BERLIN und dem Copenhagen Creative Forum wurde das Projekt „next generation bright green fashion“ ins Leben gerufen. Die teilnehmenden Designer wurden dazu je nach Erfahrung und Interessenstand von den Organisatoren des jeweiligen Landes ausgewählt. Ergebnis des Workshops wird eine Fashionshow sein, in der die gemeinsam erarbeiteten Entwürfe vorgestellt werden.
Ich bin gestern zum Auftakt des Workshops in der Esmod gewesen und habe mir das Ganze einmal genauer angesehen …
Die Designer
Gestern zeigten die Designer eine Auswahl ihrer aktuellen Kollektionen. Viele arbeiten bereits ökologisch, andere wollen künftig dort Schwerpunkte setzen. So beispielsweise die Berliner Designerin Esther Perbandt, die sich schon lange vorgenommen hatte, nachhaltige Arbeitsweisen und Stoffe in ihre Designs zu integrieren. Für sie ist das Projekt der perfekte Weg, um zu lernen, sich im Informationslabyrinth zurechtzufinden. Sie träumt von einer reinen Ökokollektion, die an keine Saison geknüpft ist und deren Komponenten sich wie Basics leicht in andere Kollektionen integrieren ließen.

Vielleicht könnte Ökomode bald so schön sein:
© Esther Perbandt
Julia Knüpfer gehört zu den wenigen teilnehmenden Designern, die längst organische Materialien in ihren Kollektionen verarbeitet. Ihre Motivation am Workshop teilzunehmen verriet sie mir in einem Interview:

© Julia Knüpfer
Ökomode für den Herren könnte künftig so oder ähnlich aussehen:
© Jean-Phillip Dyeremose
Der Däne Jean-Phillip Dyeremose möchte im Workshop mehr über nachhaltige Mode und Bezugsquellen für Ökostoffe erfahren.
Auch Schmuck könnte grün sein:

© Trine Wackershausen
Die Idee
Ares Kalandides, Vorstand von CREATE BERLIN und Geschäftsführer der Inpolis GmbH, zum Projekt „next generation bright green fashion“: „Unter diesem Motto haben wir Designer für grüne Mode aus Berlin und aus Dänemark zum Erfahrungsaustausch gebeten. Mit dabei sind Labels, die bereits ausschließlich grüne Mode produzieren, aber auch Labels, die an dem Thema und dem Know-how interessiert sind und Anregungen suchen.“ Denn oftmals wissen interessierte Jungedesigner gar nicht, wie sie ökologisch korrekt arbeiten sollen, was das heißt, und wie man beispielsweise an die richtigen Stoffe und deren Verarbeitung kommt – verriet mir Rolf Heimann, Leiter Innovation und Ökologie der Hess Natur-Textilien GmbH und einer der Workshopleiter, in einem kurzen Interview:
© Vilsbol de Arce
Silvia Kadolsky, Initiatorin der fashion patrons agency und Direktorin der internationalen Modeschule Esmod Berlin, ist überzeugt davon, dass „ökologisch produzierte Kleidung mehr ist als nur ein Trend. Sie wird sich fest in der Modewelt etablieren, denn immer mehr Kundinnen und Kunden fragen nach, wie, wo und unter welchen Bedingungen ihre Kleidung produziert wurde und wie die Materialien verarbeitet wurden.“
© bARBARA I gONGINI
Warum Kopenhagen?
Warum nun die Kooperation mit dänischen Designern stattfindet ist schnell erklärt: „next gerenation bright green fashion“ ist zu verstehen als Auftakt der Roadshow BerlINordik, die in den kommenden Jahren Design aus Berlin durch die nordischen Hauptstädte führen wird. Der diesjährige Höhepunkt findet im Rahmen der Copenhagen Design Week im August statt, wenn der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, und die Oberbürgermeisterin von Kopenhagen, Ritt Bjerregaard, die gemeinsame Modenschau der Designer präsentieren. Wer also im Sommer in Kopenhagen ist, sollte sich das nicht entgehen lassen!
Die folgenden Designer nehmen am Workshop teil:
Aus Berlin: Ester Perbandt, Magdalena Schaffrin, Tarané Hook, Julia Knüpfer. Auch dabei: vonWedel&Tiedeken, die ich hier auf Two for Fashion bereits vorgestellt habe.
Aus Kopenhagen: Trine Wackerhausen-Christensen, Jean-Philip Dyremose, Vibe Harslof, Prisca Vilsbol und Barbara í Gongini
0
das kleid mit den verschlungenen wülsten auf dem rücken ist einfach der hammer. bestimmt ein prototyp, oder? würde ich sofort anziehen.
Oh, ich freu mich, dass Esther Perbandt den grünen Weg beschreitet. Ich habe ein paar Oberteile von ihr im Schrank (leider pre-green) und finde sie echt gut. Und ihr Ökobewusstsein macht sie natürlich gleich nochmal so sympathisch.
Wow! Das sind ja tolle Kleider. Ich will das weisse Kettenkleid! I love Ökomode!
Toller Beitrag – immer auf der Suche nach dem ethisch und ökologisch reinen (“Luxus”-)Produkt. Louis Vuitton machts ja auch schon (vor).
tolle klamotten und alles öko, wer hätte noch vor zehn jahren gedacht, dass das möglich ist?
Ich finde die Mode ja gar nicht so schlecht (auch der nachhaltigkeit wegen natürlich), aber sie ist nicht wirklich büro- und alltagstauglich. oder täusche ich mich???
@ Sara und natürlich auch alle anderen TwoforFashion-Leser: auf meinem Blog Shopfair findet ihr mehr als 50 Fair Trade Modelabels, die größtenteils auch “grün” produzieren und vor allem sehr tragbar sind.
NOCH sind viele der hier abgebildeten Teile nicht Öko. Die Jungdesigner lernen ja erst, wie man nach ökologischen Standards produziert.
@fair shopping fairy
super. vielen dank für den tip!
Tolles Thema! bitte dranbleiben, man liest ja immer mal wieder von schicker öko-mode, findet sie aber immer noch selten beim shoppen – oder sind andere länder da schon weiter als deutschland?