Zukunft der Mode: Interview Esther Perbandt

Nach einer längeren Pause möchte ich heute gern meine Interview-Reihe „Die Zukunft der Mode“ an dieser Stelle fortführen. Das wichtige Thema Fairness und Nachhaltigkeit im Modebusiness liegt mir nämlich besonders am Herzen. Dieses Mal spreche ich mit einer ganz besonderen Designerin, die schon vor einiger Zeit auf „Two for Fashion“ vorgestellt wurde (hier im Video-Interview) und deren Label in Kürze sein zehnjähriges Jubiläum feiern wird.

Anders als die bisher interviewten Designer hat Esther Perbandt die Themen Nachhaltigkeit und Fair-Trade erst im Laufe der Jahre eingeführt. Mit diesem Schritt wird sie zum Vorbild für viele andere Labels, die sich bisher noch gar nicht mit dem Sachverhalt auseinandergesetzt haben. Ich finde es äußerst interessant von ihr zu erfahren, was dieser Schritt für sie bedeutet hat und ob es überhaupt so einfach möglich ist, auf einmal auf „grün“ zu schalten.

Aber auch aus kreativer Sicht ist Esther Perbandt für mich eine besonders wichtige Interview-Partnerin, denn sie gehört zu den wenigen Berliner Designern, deren Arbeit sich tatsächlich vielfältig in meinem Kleiderschrank befindet. Ihre Kollektionen schlagen für mich eine Verbindung zwischen moderner, tragbarer Mode und äußergewöhnlichem Avantgarde-Design. Als sie vor einigen Jahren auch Herrenmode in ihrem Label eingeführt hat, war das für mich natürlich wie ein Geschenk des Himmels.

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Designerin Esther Perbandt. © Claudia Weingart

Bei der kommenden Fashion Week feierst Du das zehnjährige Jubiläum Deines Labels. Was wird uns zu diesem Anlass besonderes erwarten?

Zu meinem zehnjährigen Jubiläum werde ich meine eigene Show im großen Saal – „Großes Haus“, wie es so schön heißt – der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz haben. Damit erfülle ich mir einen langen Traum und der soll mit allen gefeiert werden. Es ist sozusagen mein persönliches Geburtstagsgeschenk an mich selber. Und damit auch tatsächlich alle dabei sein können, die Lust haben, geht eine limitierte Anzahl der Karten in den freien Verkauf. (Bundesweit an allen Theatervorverkaufsstellen, auf www.eventim.de oder direkt auf der Seite der Volksbühne). Es gab noch nie eine Modenschau zur Fashion Week in der Volksbühne, aber mein Konzept scheint den Intendanten Frank Castorf überzeugt zu haben.

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© esther perbandt

Wenn Du auf Deine Dekade als eigenständige Designerin zurückblickst, welche drei Begriffe fallen Dir dazu ein und warum?

Mut, Stolz und Dankbarkeit!

MUT: Ich weiß nicht, ob ich ein zweites Mal die Eier in der Hose hätte, so ein Unterfangen zu beginnen.

STOLZ: Weil ich tatsächlich stolz bin, es so weit geschafft zu haben und dadurch jetzt auch die Zuversicht habe, dass ich in zehn Jahren mein 20-jähriges Jubiläum feiern werde.

DANKBARKEIT: Das ist vielleicht sogar das größte Gefühl. Ich schreibe es wirklich meiner Dickköpfigkeit zu, dass ich die letzten zehn Jahre überhaupt gemeistert habe, aber so etwas kann kein Mensch alleine schaffen. Ich bin all denjenigen unendlich dankbar, die auf diesem langen Weg an mich geglaubt haben und es immer noch tun, dankbar für unfassbar gute und treue Assistentinnen und Teams an Praktikanten, dankbar für geduldige Lieferanten. Und ich bin dankbar für die fantastischen Freunde und Partner, die in Kauf genommen haben und immer noch nehmen, dass ich von zehn Einladungen nur einer folge und manchmal das Gefühl vermittle, es würde in meinem Leben nichts anderes geben. DANKE!

Du hast Dich vor ein paar Jahren dazu entschieden, das Thema Nachhaltigkeit, ökologische Verträglichkeit und fairen Handel in Dein Label zu integrieren. Wie kam es dazu?

Den Anstoß hat das Projekt „Bright Green Fashion“ 2009 gegeben. Ein Projekt mit Designern aus Berlin und Kopenhagen, um sie mehr an das Thema der Nachhaltigkeit heranzuführen. Es hat funktioniert und hat sich bei mir festgesetzt. So fing ich an zu überlegen, auf welche Weise sich das mit meinem bereits bestehenden Label vereinbaren lässt, ohne meine Imagepositionierung und Preispositionierung zu verändern.

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© esther perbandt

Welche Erfahrungen hast Du im Zuge der Einführung von „grüner“ Mode in Deine Kollektionen gemacht und welchen Restriktionen und Hürden bist Du dabei begegnet?

Mir war von Anfang klar, dass ich nicht von einem auf den anderen Tag „grün“ werden kann. Mein Wunsch war es mit jeder Kollektion immer mehr nachhaltige Materialien zu verwenden, bis ich irgendwann vielleicht das Ziel von 100 % erreiche. Wichtig war mir dabei, dass zumindest immer sehr transparent kommuniziert wird, wie der Stand aktuell bei mir ist. Im Sommer war es immer einfacher als im Winter, da leichte Baumwollqualitäten oder Jerseys mittlerweile zu guten Konditionen erhältlich sind. Im Winter, bei Wollqualitäten und Seide, war es schon schwieriger bis gar nicht möglich. Das heißt nicht, dass es generell nicht möglich ist, aber um in meiner Preispositionierung zu bleiben, konnte ich vieles, was es vielleicht gab, nicht einsetzen.

Was in den letzten zwei Jahren vermehrt passiert ist, dass ich Stoffe für die Muster benutzt habe, sie dann aber für die Produktion nicht mehr erhältlich waren oder plötzlich eine Abnahmemenge verlangt wurde, die ich nicht bedienen konnte. Das führte zu vermehrten Stornierungen, die mich wirtschaftlich vor große Herausforderungen gestellt hat. Letzte Saison habe ich dann gemerkt, dass Nachhaltigkeit keinem etwas bringt wenn es bedeutet, dass mein Label nicht mehr lange existiert. Da das Thema Nachhaltigkeit mir aber nach wie vor wichtig ist, haben wir im Team besprochen zumindest die Produktion, die die letzten sieben Jahre in Bulgarien gemacht wurde, zurück nach Berlin, Berliner Umland und nahes Polen zu holen.

Eine weitere schöne Möglichkeit für mich an dem Thema dran zu bleiben, sind Kooperationen mit nachhaltigen Firmen. Ganz aktuell arbeite ich an einer Kooperation mit der nachhaltigen Firma „Minga Berlin“ für eine Serie von Strumpfhosen. Wenn wir Glück haben, werden die Strumpfhosen auf meiner Show im Januar zu sehen sein.

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© esther perbandt

Was müsste sich Deiner Ansicht nach an der Modeindustrie ändern, damit mehr Labels sich dafür entscheiden nachhaltig und „grün“ zu werden?

Ich würde mir wünschen, dass die Industrie vorarbeitet und mehr Stoffe zu guten Konditionen anbietet und nicht, dass die kleinen finanzschwächeren Marken vorarbeiten und erst dann die Industrie nachzieht. Sinnvoll wären auch Kooperationen von Labels und Industriepartnern, um kleine Schritte von vielen in große Schritten zu verwandeln.

Wo sollte idealerweise die esther perbandt Fashion Show zum 20. Jubiläum stattfinden?

In einem Space-Shuttle auf dem Weg zum Mond, mit nur 50 besonderen Freunden.

  1. mareike

    coole fotos!

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