Judith...

Die Pionierin des Mode-Bloggens in Hamburg: Interview mit Diane Pernet

Ich (links) heiße Judith Marthaler, lebe in Hamburg, und stehe hinter dem Blog What`s Wrong With The Zoo. Für Two For Fashion besuchte ich am Samstag den von der Gruppe Chicks on Speed im Kampnagel initiierten Performance-Abend Girl Monster #7: Monsters of Fashion, um Diane Pernet zu interviewen.

Das Wort ›Erscheinung‹ muss für Menschen wie sie erfunden worden sein.“ Als ich auf den kleinen schwarzen Fleck, um den sich am Ende des langen Kampnagel Flures die Menschen scharen, zueile, verstehe ich die Dimension dieses Satzes.  Als Mittelpunk des Menschenknäuels ist sie bereits aus der Ferne auszumachen, die Pionierin des Mode-Bloggens.  Zu meiner Überraschung jedoch nicht nur durch ihren markanten Signatur-Stil, der sich wohl am ehesten mit einer Kreuzung aus progressivem Witwenchic mit Couture-Goth beschreiben lässt, sondern durch eine anziehende Aura der Gelassenheit und Ruhe.

„Zurückhaltend und unantastbar“, kommt mir in den Sinn, als ich mich vorstelle. Einen Händedruck gibt es nicht, dafür jedoch ein warmes Lächeln. Zu meinem Erstaunen, bemerke ich, dass Diane Pernet trotz Mega-Plateau am Fuß und opulenter Haarskulptur inklusive Schleierkrönung auf dem Kopf, immer noch nicht größer ist als ich und viel zarter und jünger aussieht, als auf den zahlreichen Fotos, die von ihr im Internet kursieren.

Für alle, die sie noch nicht kennen,  beschreibt Diane Pernet ihren Werdegang ausführlich in diesem Interviewausschnitt, und so erklärt sie ihre Tätigkeit als „kreativer Talentscout“:

Seit mehr als 30 Jahren bewegt sich die Designerin, Journalistin und Filmemacherin dort, wo die Großen spielen. In den 80er Jahren tanzte sie als junge Designerin mit Künstlern wie Keith Haring durch New Yorker Nächte, zog in den 90er Jahren nach Paris, um als Modejournalistin zu arbeiten und gilt mit ihrem 5 Jahre alten Blog A Shaded View On Fashion nicht nur als eine der Gallionsfiguren der Mode-Blogosphäre, sondern gehört auch zu den einflussreichen Meinungsmachern in der Modeindustrie. Für Modeinteressierte bietet A Shaded View On Fashion eine einzigartige Übersicht über Mode in ihren mannigfachen Ausdrucksformen und für Modemacher ist die gebürtige Amerikanerin ein wichtiger Multiplikator, mit der Macht, Karrierewege zu beeinflussen.

„I am looking for someone who has something to say.“ Die Antwort auf meine Frage, was Mode für Diane Pernet auch nach 30 Jahren und schier unzählbaren Besuchen von Modenschauen und Showrooms noch inhaltlich spannend und persönlich bereichernd macht, fällt knapp aus. Ausführlicher hingegen äußert sie sich über Modetrends, bemerkenswerte Designer und die herausragenden Kollektionen der Paris Fashion Week. Als die Sprache jedoch auf deutsche Modedesigner kommt, bin ich etwas enttäuscht.

Als Modedesignerin erlebte Diane Pernet 13 Jahre lang selbst, dass Talent nicht immer ein Garant für mediale Aufmerksamkeit und kommerziellen Erfolg ist und gilt nicht zuletzt deswegen heute als eine der bekanntesten Verfechterinnen der vielbesprochenen „Demokratisierung der Mode“ durch das Internet. Wie sie die Rolle der Blogger im Bezug auf Mode und den klassischen Journalismus einschätzt erzählt sie in diesem Interviewausschnitt, und in dieser Szene berichtet sie amüsiert von einem – zumindest für Anna Wintour und Mario Testino – skandalösen Front Row-Zusammentreffen im Rahmen der Mailänder Modewoche.

Es hätte Stunden weitergehen können, das Gespräch mit der wohl ältesten und zugleich berühmtesten Mode-Bloggerin der Welt, die ihren Blog als Filter für bemerkenswerte Mode, Designtalente und Kunstprojekte versteht, jedoch längst selbst zu einer globalen Marke geworden ist. Unser Gesprächsstrang spann sich von Mode im Kontext Internet bis zu den Synergien von Mode und Film, über die Berlin Fashion Week und neue Mode Sub-Zentren, hin zu persönlichen Modemomenten und prägenden Mentoren. (Die Videos dazu werden in Kürze hier erscheinen.)

Diane Pernet zeigte sich als kluger Kopf und humorvoller Mensch, der zwar bedacht und zurückhaltend ist, sich jedoch weder hinter einem artifiziellen Äußeren versteckt, noch persönliche Fragen scheut. Selbst als ich wissen wollte, ob es Freiheit oder Last bedeute, einen Look zum Markenzeichen gemacht zu haben, und dadurch natürlich auch einer Erwartungsaltung entsprechen zu müssen, antwortete sie überraschend offen:

Vielen Dank an Mahret Kupka und Daniela Zenone für die Organisation des Treffens und an Robin Kranz für das Foto.

9 Kommentare
Blog-Kommentar schreiben
Facebook-Kommentar schreiben

  1. feli

    sehr strange die Frau, sogar ein bisschen unheimlich

  2. Lisa

    sehr…sphärisch aber genau so, wie ich sie mir immer vorgestellt hab.

  3. Flaschu

    Herrlich, Ihre Canon Cam passt perfekt zu ihrer Lippenfarbe. Mit Sicherheit soll das so sein, oder?

  4. Kiki

    Eine sehr exzentrische Person, „Erscheinung“ trifft es wirklich auf den Punkt

  5. Roxy Foxy

    ja, wirklich eine Erscheinung, eine richtige Kunstfigur. die heizung im Hintergrund wirkt irgendwie komisch und gleichzeitig passend

  6. Jule

    ich kenne Dane Pernet gar nicht – eine sehr misteriöse Frau

  7. Katrin

    Judith, wie schön, dich hier zu lesen! :) Hoffe es ist alles gut bei dir, liebe Grüße ausm OTTO-Kommunikationsteam von Katrin

  8. coci

    Wow, was für eine Frisur

  9. lou

    sie ist so ein bisschen so ein weiblicher lagerfeld in hardcore oder?

Kommentar schreiben

(wird veröffentlicht)
(optional)
Fehler: Bitte fülle alle erforderlichen Felder aus.

Hinweis

Wir freuen uns über Kommentare auf Two for Fashion. Alle Kommentare werden vor Veröffentlichung geprüft. Wir behalten uns das Recht vor, Beitrage ohne Begründung abzulehnen. Dies gilt insbesondere für solche Beiträge, die rechtswidrige Inhalte, Werbung für Dritte oder Spam sowie Beleidigungen enthalten oder in anderer Form unsachgemäß sind.

facebook Kommentare