Mahret

Die drei Damen vom Modepilot: modejournalistin, parisoffice und milanoffice im Interview

 © modepilot/parisoffice

Selten so gelacht habe ich beim Redigieren eines Interviews und selten fand ich es so schade, das Interview nicht persönlich geführt zu haben. Es ist aber auch nicht leicht, die drei Damen vom Blog Modepilot an einen Tisch zu bekommen. Privat versuchen sie es nämlich eher zu vermeiden, sich über den Weg zu laufen – behauptet jedenfalls Kathrin aka „modejournalistin“. Ob das tatsächlich stimmt, wie der typische Tag einer Modepilotin aussieht und warum die anderen immer die Fotos von milanoffice rauslöschen, kann man hier erfahren. Aber vorsicht: Bitte nicht alles ganz so ernst nehmen :D

Hinter Modepilot stehen drei gestandene Journalistinnen, die In Paris, Mailand und Düsseldorf für diverse Modepublikationen tätig sind. Erzählt Ihr uns ein wenig von Euren Hintergründen? Woher kommt Ihr ursprünglich? Wo und was habt Ihr studiert? Wie seid Ihr dorthin gekommen, wo Ihr jetzt seid?

Kathrin (modejournalistin): Ich habe an der AMD Düsseldorf Modejournalismus/Medienmanagement studiert, bin dann nach Hamburg zu how to spend it/Financial Times Deutschland, wo ich als Jungredakteurin gearbeitet habe. Als Redakteurin wechselte ich zu fivetonine/WirtschaftsWoche, wo ich nun Editor-at-Large bin. Zwischendurch habe ich Gala Style entwickelt und für die Weekend-Beilagen von Handelsblatt und Financial Times Deutschland geschrieben.

Barbara (parisoffice): Nach Banklehre, BWL-Studium und paralleler Journalismusausbildung arbeitete ich erst bei G+J, dann bei TextilWirtschaft, um anschließend die Glamour in Deutschland mit auf den Weg zu bringen. 2003 habe ich dann meinen Lebenstraum, ein Jahr in Paris zu wohnen, verwirklicht – und bin hängen geblieben. Daraus sind nun 6 Jahre als Freie geworden. Freelance-Journalist ist zwar ein verdammt hartes Business, aber ich bereue nichts, denn ich liebe die Stadt, habe hier zwei Zeitschriften mitentwickelt und lerne dank meines Berufs immer wieder tolle Leute kennen. Von meinen ehemals vielen regulären Kunden sind wegen der Medienkrise nur noch Vogue, Cosmopolitan und Sportswear International übrig.

Sabine (milanoffice): Ich habe erst eine Banklehre gemacht, dann Kunstgeschichte studiert und parallel angefangen, Redaktions-Praktika und freie Mitarbeit zu übernehmen. Dann kam ein Volontariat und mittlerweile dann ein fester Job bei einer Mode-Fachzeitung in Mailand.

Wie kam es dann zum Modepilot? Und wie zum Bloggen überhaupt? Hattet Ihr vor der Gründung des Modepiloten je die Absicht zu Bloggen?

K: Wir drei trafen uns zufällig bei der Pariser Modewoche und waren der Meinung, dass eine deutsche Internet-Plattform für Mode fehlt. Wir wollten dann mit einem Blog erstmal testen, ob wir als Print-Journalisten überhaupt online können. Und heute wissen wir: Es macht uns zumindest großen Spaß.

B: Genau.

S: Schöner hätte ich es auch nicht sagen können.

Hat das Bloggen irgendwie Einfluss auf Eure sonstige journalistische Tätigkeit? Wie unterscheidet sich Eurer Meinung nach Online von Print? Habt Ihr unterschiedliche Stile entwickelt?

K: Noch ist der fivetonine-Textchef nicht über „Boah eys“ und „Bähs“ in meinen Texten gestolpert.

B: Ähm, „Boah eys“ sind auch bei Modepilot verboten, meine Liebe. Für mich sind es zwei unterschiedliche Stile. Was ich toll finde am Bloggen, ist die Interaktivität, der zeitnahe Austausch mit den Lesern und die super schnellen Reaktionsmöglichkeiten. Das bietet Print einfach nicht.

S: Ich trenne auch beides. Der Blog hat einen durchweg subjektiven Charakter – das hat ja nur bedingt mit Journalismus zu tun, auch wenn bei uns Information immer eine große Rolle spielt. Stilistisch gesehen, bin ich im Blog näher an mir selbst dran.

Lieblingsmagazine? Lieblingsblogs? Und was zeichnet diese aus?

K: Meine Lieblingsmagazine gibt es fast alle nicht mehr. Ich lese jetzt so zusagen Vintage.

B: Ich mag sehr die Vogue France, auch wenn die Texte ruhig mal ein bisschen lustiger sein könnten. L’Officiel dito. Toll ist auch das Wochenend-Magazin von Le Monde. Spiegel Online liebe ich als Expatriate, auch wenn die Modeberichterstattung besser werden sollte. Blogs: Joachim Lottmanns Blog (habe ich auch als Tipp bei der Aktion Ein Herz für Blogs genannt) und Garance Doré, weil die super sympathisch schreibt.

S: Mein Lieblingsblog: DListed.com. Und Print: nach wie vor Der Spiegel, und in der Mode 10 Men und Grazia UK – britische Magazine überhaupt, die nehmen sich nicht so ernst.

Ihr neckt Euch ganz gerne gegenseitig in Euren Kommentaren. Für Außenstehende immer ein großes Vergnügen. Versteht Ihr Euch privat auch so gut? Trefft Ihr Euch ab und an?

K: Nur, wenn es sich nicht vermeiden lässt.

B: Und dann diese Telefonkonferenzen!! Immer muss ich die Mädels bitten. Alle von uns in einer Stadt – das wäre nicht auszuhalten.

S: Ich finde die beiden anderen eher ätzend. Barbara hat einen unglaublich schlechten Geschmack und Kathrin, naja, ist eben einfach nicht die Hellste. Aber mein Grundsatz ist sowieso: Niemals mit Freunden zusammenarbeiten. Und daran halte ich mich.

Wie schaut der Tag einer Modepilotin aus? Bzw. wie hättet Ihr es gerne?

K: Um 2 Uhr den letzten Post schreiben und auf der Tastatur einschlafen. 8 Uhr aufstehen. Bis 10 Uhr vorm Kleiderschrank stehen, der voll ist mit nix Anzuziehen. Lösungen recherchieren und veröffentlichen. Das Ganze ist dann mit vielen Telefonaten, Emails und Redaktionsbesprechungen garniert.

B: Ich schreibe meinen ersten Post bei meiner 11-Uhr-Kaffee-Madeleine-Pause. Das ist ein Ritual. Danach muss ich mich zwingen, nicht ständig die Modepilot-Kommentare zu überwachen, weil ich ja auch noch einen Job habe. Kleiderwahl ist kein Problem. Mein Büro ist zu Hause, da tut es die Jogginghose. Abends lasse ich die Mädels ran zum Posten, denn von 17 Uhr bis 1 Uhr nachts ist mein Print-Journalismus-Gehirn endlich wach und kreativ.

S: Also, um 11 Uhr morgens stehe ich auf, dann kommen mein Haare/Make up-Typ und die Stylistin. Wir trinken erst mal gemütlich Kaffee, und dann geht es auch gleich an die Arbeit. Wenn ich so um 14 Uhr einigermaßen hergerichtet bin, lasse ich mich in die Stadt fahren zum Lunch und kaufe ein bisschen ein. Meistens bin ich dann nach zwei Stunden so erledigt, dass ich mir einen Spa-Besuch gönne. Tja, und dann treffe ich mich mit Vicky und Donatella zum Abendessen, manchmal ist Roberto auch dabei. Und pünktlich um 23 Uhr gehe ich dann zu Bett, ich brauche ja meinen Schlaf. Für das Posten habe ich jemanden angestellt. Ich schau dann nur noch mal drüber.

In vielen Streetstyle Blogs werden besonders zu den Fashionweeks regelmäßig die Grandes Dames der Mode auf ihrem Weg zu den Schauen abgelichtet. Diese Fotos begründen unter anderem ein Phänomen mit dem Namen „Editorialista“ – die Macherinnen eines Magazines geraten selbst in den Focus des Interesses. Was haltet Ihr von diesem Phänomen? Warum haltet Ihr Euch eher zurück, erscheint z.B. nie auf Fotos auf Modepilot?

K: Wir sind Journalisten, keine Stars.

B: Also ich finde einfach die anderen interessanter als mich. Deswegen lichte ich die auch liebend gerne ab. Selbstdarstellung liegt mir nicht.

S: Ich hab schon ganz oft Posts nur mit Fotos von mir reingestellt – aber das löschen die anderen immer raus.

Inwiefern ist Eure Tätigkeit als Modejournalistin hilfreich für das Blog?

K: Sie ist der Türöffner. All unsere Kontakte zu Modemarken und Kollegen haben wir zunächst durch unseren Printjob. Erst dadurch bekamen wir zunächst exklusive Informationen und Einladungen für modepilot.de.

B: Welche Einladungen? Wusste ich es doch, dass Du was zurückhältst. Rück die gefälligst mal raus, modejournalistin!

S: Mittlerweile befruchtet sich das gegenseitig.

Welche Klatsch- und Tratschgeschichten erheitern Euch derzeit am meisten?

K: Da muss ich zu lange nachdenken …

B: Die Shoppingexzesse von milanoffice, die Gerüchte, welches Heft in Deutschland als nächstes eingestellt wird (Galgenhumor) und die neuesten Ideen und Überlegungen, wie man als Freelance-Journalist heute noch sein Geld verdienen kann.

S: Amy Winehouse will ein Kind adoptieren. (Und das sind keine Shoppingexzesse, Madame – ich sehe, im Gegensatz zu Euch beiden, einfach nur zu, dass die Wirtschaft am Laufen gehalten wird.)


Lieblingsdesigner?

K: Alber Elbaz, Dries Van Noten, Nicolas Ghesquière

B: John Galliano, Madeleine Vionnet, Alber Elbaz und als Alternative für meinen Geldbeutel Judith Milgrom, die Macherin von Maje.

S: Ebenfalls Elbaz, Vionnet, außerdem Miuccia Prada, Stephan Schneider und Martin Margiela. Bei denn Herren macht Lucas Ossendrijver für Lanvin einen tollen Job.

Nun ein kleiner Rat der Expertinnen. Was sind Eurer Meinung nach die Top-Trends in diesem Sommer? Was muss man im Schrank haben und worauf kann man getrost verzichten?

K: Ich habe mich eingedeckt mit: Bustier- und seidenen Hemdblusenkleidern, Plateau-Sandaletten, schmalen Taillenjeans, weit geschnittenen Seidentops.

B: Wenn ich Geld flüssig hätte, würde ich mir einen Seidenjumpsuit, eine Jacke mit Militärapplikationen, eine Jeans mit Swarovski-Dekosteinchen und die tolle Fendi-Tasche Peekaboo kaufen. Verzichten? Bustiers. Ich konnte, kann und werde niemals damit etwas anfangen können. Das Gleiche gilt für jegliche Mode in Gelb und Grün. Beide Farben sind bei meinem Teint No-Gos. Aber „in“ ist es derzeit.

S: Bundfaltenhosen und überlange Leggings oder schmale Hosen, gerne in Knallfarben, dazu schlichte schwarze Tank Tops – das wird mein Look. Auf der Straße wird es sicher mit sexy Military-Rock-Schick à la Balmain und Boho-Hippie hoch her gehen. Jeans-Shorts zum Krempeln und Gladiator-Sandalen werden die Kommerz-Renner.

Vielen Dank.

www.modepilot.de

Alle Bilder © modepilot/parisoffice

9 Kommentare
Blog-Kommentar schreiben
Facebook-Kommentar schreiben

  1. Tessa

    Sehr schön, sehr schön. Mehr von dieser Art bitte :)

  2. Auf den Einladungen steht nun mal “Modejournalistin”. Sorry, parisoffice! Liegt vielleicht daran, dass ich nicht so farblos bin wie milanoffice schon angedeutet hat (sie ist in der deutschen Sprache nicht so sicher).

  3. Juliane

    Ich wüsste zuuuuuu gerne, wie die Damen aussehen. Gibt es denn so gar kein Bild von ihnen?

  4. briseis

    Nette Frauen, die wissen was sie wollen und auch noch lustig sind. Tolles Gespräch!
    Das motiviert wirklich zum selber schreiben und arbeiten.
    DANKE!

  5. neda

    @Juliane: Ja, genau!!! Wie sehen diese Powerfrauen wohl aus???

  6. Mascha

    Genau meine Art Humor! Die Drei würde ich nur zu gerne treffen!

  7. Sonja

    Solche Beiträge liest man gern!! Ich kann jetzt gleich gut gelaunt den Tag starten! Danke!!!

  8. loewenherz

    Gut, dass Modeberichterstattung auch in Deutschland endlich einen höheren Stellenwert erhält. Ich erinnere mich zu gern an meine Kindheit/Jugend in der DDR, als ich wie gebannt vor dem Fernseher saß und Antonia Hilke in “Neues vom Kleidermarkt” von den Schauen berichtete und in Zeitraffer die Trends skizzenhaft zu Papier brachte. Nicht zu vergessen: die Hündchen ;-) ) Und Marie-Louise Steinbauer, die nicht nur “CHIC” moderierte, sondern auch für OTTO Mode entwarf, zählte ich ebenso zu meinen mütterlichen Freundinnen auf der anderen Seite. Vielleicht wäre es mal einen Beitrag wert, über Modejournalismus in 60 Jahren Bundesrepublik zu berichten.

  9. TeddyBoy

    Unschlagbar: Frauen mit Humor!

Kommentar schreiben

(wird veröffentlicht)
(optional)
Fehler: Bitte fülle alle erforderlichen Felder aus.

Hinweis

Wir freuen uns über Kommentare auf Two for Fashion. Alle Kommentare werden vor Veröffentlichung geprüft. Wir behalten uns das Recht vor, Beitrage ohne Begründung abzulehnen. Dies gilt insbesondere für solche Beiträge, die rechtswidrige Inhalte, Werbung für Dritte oder Spam sowie Beleidigungen enthalten oder in anderer Form unsachgemäß sind.

facebook Kommentare