Kathrin

Designer Moritz Waldemeyer: „Daniel Düsentrieb“ der Mode

Vor ein paar Wochen habe ich euch Moritz Waldemeyers Blog empfohlen. Den ich so gerne mag, weil der 34-jährige Designer dort immer den neuesten technologischen Erfindungen auf der Spur ist, die man später auf dem Laufsteg wiedersieht. Neben der Mode setzt er das Kostümdesign unter Strom. Und konstruiert der schwedischen Band „OK Go“ ihren Namen so auf den Rücken, dass sie wie Leuchtreklamen in Las Vegas blinken. Zur Entwicklung seiner bühnentauglichen Laser- und Videokleider habe ich ihm ein paar Fragen gestellt:

© Moritz Waldemeyer

Wie wurde Licht zu deiner Leidenschaft?

Nachdem ich die Kunsthochschule in Halle abgeschlossen hatte, arbeitete ich erst für Philips und forschte an der Nutzung von LEDs im Haushalt. Was damals noch futuristisch war. Danach gestaltete ich Lichteffekte für Swarovski. Licht hatte für mich als künstlerisches Medium schon immer die größte Magie. Es ist nicht greifbar, aber berührt emotional gewaltig.

Welches ist dein Lieblings-Mode-Licht-Projekt und warum?

Ästhetisch sind die Laserkleider meine Nummer eins. Technisch die Videokleider. Ich hatte nur vier Wochen Zeit, um diese verrückte technische Innovation auf den Laufsteg zu bringen. Ich habe kaum geschlafen, um das Projekt in der kurzen Zeit bewältigen zu können.

© Moritz Waldemeyer

© Moritz Waldemeyer

© Moritz Waldemeyer

Wie war es, mit einem meiner Lieblingsdesigner, Hussein Chalayan, zusammen zu arbeiten?

Hussein ist einer der interessantesten Menschen, die ich je kennengelernt habe. Sein kreativer Prozess ist unglaublich komplex und seine Inspirationen kommen aus den absurdesten Richtungen: von Kampfflugzeugen bis zum Sonnenkult.

Was interessiert dich daran, Mode und Bühnenoutfits zu gestalten?

Ich finde es aufregend, verschiedene kreative Felder zu kombinieren: Technologie mit Fotografie, Mode, Architektur und Kunst. Durch die Kombination entstehen neue Innovationen in Disziplinen, die beginnen, sich in ihrer puren, klassischen Form zu wiederholen.

© Moritz Waldemeyer

Welche Technologie nützt der Mode?

Bei meinen Projekten baue ich Technologien aus der Elektronik-Industrie in Kleider ein. Das funktioniert nicht immer reibungslos. Beide Welten – Mode und Technik – sprechen verschiedene Sprachen. Ich finde mich oft in der Funktion eines Dolmetschers.

Wie verändert dein Licht-Design die Mode?

Es erlaubt den Modedesignern, neue kreative Richtungen einzuschlagen, die ihnen vorher verschlossen waren. Seit Jahrhunderten arbeiten sie mit nur zwei Komponenten: mit Stoff und der menschlichen Anatomie. Plötzlich kommt eine dritte dazu: die Elektronik. Das muss für Modedesigner doch einfach aufregend sein.

Wie geht die Entwicklung elektronischer/interaktiver Mode weiter?

Für mich wird das die Entwicklung von sehr feinen und weichen elektronischen Komponenten sein, die sich in die Mode integrieren lassen. Auf dem Gebiet steckt die Technik noch in den Kinderschuhen.

Wie unterscheiden sich Bühnen-Outfits von klassischer Mode?

Da der ästhetische Effekt im Vordergrund steht, ist die gestalterische Freiheit auf der Bühne viel größer als in der Mode. Die Kleider müssen ja nicht praktisch sein. Außerdem herrschen auf der Bühne keine sozialen Limitierungen wie in der klassischen Mode.

Wann werden deine Licht-Designs auch die Alltags-Mode erobern?

Das haben sie schon. Im April habe ich ein neues Konzept von unsichtbarem Schmuck für die italienische Firma Campeggi produziert. Die Idee ist, eine Halskette unter einem Hemd zu tragen und die sie durch den Stoff schimmern zu lassen. Dieses Produkt kann wesentlich günstiger produziert werden als ein Videokleid.

© Moritz Waldemeyer

Wie schaffst du es, hochintelligente Technik für jedermann zugänglich zu machen?

Meine Designs sprechen für sich. Ich versuche immer, einfache aber charmante Ideen umzusetzen. Bei der Ausstellung „Design and The Elastic Mind“ im MoMa habe ich einen Tisch ausgestellt, in dessen Oberfläche das Videospiel „Pong“ integriert war. Da jeder schon mal Ping Pong gespielt hat, ist es ganz einfach, das Spiel auch interaktiv zu verstehen.

Von welchen zukünftigen Projekt träumst Du?

Ich arbeite gerade an meinem Traumprojekt und hoffe, dass alles so funktioniert, wie ich mir das vorstelle. Ich habe unglaublich wenig Zeit, um etwas auf der Bühne 100 % funktionstüchtig zu machen. Mein Adrenalinlevel ist so hoch wie beim Bungee Jumping …

Was inspiriert Dich?

Meine größte Inspirationsquelle ist das Internet. Ich finde dort jeden Tag neue Ideen, Projekte und Technologien, die dann auf die eine oder andere Art in meine Arbeit einfließen.

© Moritz Waldemeyer

10 Kommentare
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  1. Coma

    Spacig und echt abgefahren. aber wohl nicht besonders alltagstauglich.

  2. Hanny

    das illuminierte kleid finde ich super!

  3. Simone

    Das ist ja wirklich mal eine super Erfindung! Ich finde, die Jacken der Band sehen auch alltagstauglich aus. Besonders toll finde ich die leuchtenden Ketten mit dem Herz! Wo kriegt man die denn her?

  4. Benjamin

    Interessante Kopfbedeckung nach dem Prinzip “Geistesblitz”!!!

  5. lou

    so ein heartbeat-shirt hätte ich auch wahnsinnig gern. das ist der hammer. das ist aber vorläufig wohl nur ein experiment oder?

  6. Grossartige Entdeckung. Wie wunderschön, dass aussehen würde, solchen Leuchtkleidern nächtlichen Stadtbild auftauchen würden.
    Spart auch die Nachttischlampe. Man liest einfach im Schein des eigenen Pyjamas.

  7. KIRAFASHION

    soo cool!
    Love the shape so much, very modern!

  8. Patricia

    Ich mag diesen UFO-Hut. Erinnert mich ein wenig an den Look von Audrey Hepburn.

  9. Nice collection….
    And thanks for the sharing video…

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