Daniel und Lynda Kinne entwerfen schaurig-schöne Mode, weit weg vom amerikanischen Schönheitsideal. Statt weibliche Kurven zu betonen, schneidern sie an einen Anzug eine Hühnerbrust, setzen einem Kleid einen Katzenbuckel auf oder lassen drei Ärmel aus einer Abendrobe wachsen. Vordergründig, damit die Dame die Wahl zwischen drei Armlängen hat. Hintergründig, weil sich à la disposition nicht den gegebenen Körperformen anpasst, sondern das innere Ich ausdrücken will. Die Trägerin soll ihre innere Intelligenz und Stärke ausleben. „Natürlich darf es einem, der zeigt, wer er ist, nichts ausmachen, auch mal angestarrt zu werden“, so Daniel Kinne. „Wir reagieren reflektiert auf das gesamte menschliche Leben, und nicht nur auf dessen sinnliche Seite.“
Die Kleider, die bis ins Detail das Schneiderhandwerk feiern, strahlen eine sagenhafte, ernste Schönheit aus. Und zeichnen in der Tradition von historischen Kostümen neue Silhouetten. Sie werden zwar an Maschinen produziert, aber in Handarbeit entworfen. „Unser kreativer Prozess findet beim Experimentieren mit traditionellen Techniken und Konstruieren der Schnitte statt“, so Lynda Cohen Kinne, die mit Knetmasse Schaufensterpuppen transformiert, um den Stoff weit weg vom menschlichen Körper zu drapieren und die Luft unter einem Hemd zirkulieren zu lassen. Oder Schaum und Pferdehaare in Stoffe einarbeitet, damit Ärmel oder Schultern vom Körper abstehen.
Nach dem Abitur zog Daniel von Dortmund nach New York, um Modedesign zu studieren, wo er Lynda in einem historischen Kostümkurs traf. Seitdem sind die beiden ein Paar und ein Team. Und benannten 2003 nach dem Studium an der Parsons, The New School of Design, ihr Label nach einer Handwerkstechnik aus dem 18. Jahrhundert. Die aktuellen Kollektionen präsentieren sie wie Szenen in einem düsteren Theaterstück, in Fashionvideos und nicht mehr auf dem Laufsteg an der New Yorker Fashionweek. Denn ihr künstlerisches Verständnis von Mode kommt leider immer noch besser in Europa an als in Amerika. So wird ihre kommende Herbst/Winter-Kollektion im Februar in London zu sehen zu sein, wo Lynda und Daniel Kinne nach dem Studium Corsetterie lernten. Hoffentlich sitzt dort eine Stilkönigin wie Tilda Swinton oder Daphne Guinness im Publikum, denn eine solch starke Botschafterin ist alles, was à la disposition noch fehlt.
Dieser blutrote Anzug aus der HW2010-Kollektion, der den Körper wie eine Sanduhr formt, ist von der Vampirsagen-Figur Nosferatu inspiriert.
In diesem Kleid (HW2010) würde ich gerne Kate Middleton sehen, wenn sie eines Tages Königin von England wird. Es belebt die uralte Smocking-Technik neu (auf Deutsch: Smokarbeit).
„Dreireiher“ nennt Daniel Kinne diesen Anzug, eine Verschmelzung von Weste und Jacket.
Statt die Hüften seitlich auswachsen zu lassen wie bei Kleidern von Königin Marie Antoinette, lassen Lynda und Daniel Kinne den Stoff nach vorne ausbeulen. Und bieten der Trägerin die Wahl zwischen drei Ärmellängen, indem sie das Schulterloch in drei Ärmel münden lassen.
Die Haut unter der Bluse (SS2011) soll wie der Mond durch einen wolkigen Nachthimmel scheinen.
Dieses Design ist vorne und hinten aufknöpfbar, sodass sich die Hälften mit anderen Blusen dieser Art kombinieren lassen.
Dieses Kleid (SS2011) ist so leicht, dass man darin gut zum Mond fliegen könnte.
Wie siamesische Zwillinge sind die Träger dieses Doppelmantels (SS2010) aneinander gebunden sowie auch des Doppelhemds. Zu gerne würde ich im Doppel mit Simon Donaan auf eine Vernissage gehen!
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Wie wunderschön schräg! I love it!
Äußerst mutig, zu dieser Mode zu stehen. Die Inszenierungen sind wirklich sehr kunstvoll und beeindruckend!
Mode als Konstruktionsarbeit, cool!
Super, endlich ein interessanter Eintrag, besten Dank. Muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Generell finde ich diesen Blog gut zu lesen und leicht zu verstehen.
Schönes Sachen, aber ein bisschen zu abgefahren. Mein Favorit: Das lecihte Kleid zum Mond!
sehr künstlerisch … die idee, zwei blusen durch knöpfe hinten und vorne miteinander zu kombinieren finde ich hervorragend, aber ein siamesischer zwillingsmantel muss nicht sein, es sei denn zu halloween.
Wunderbar meine Freunde ! Wunderbar ! Sehr chic !